Korthals Griffon vom Dorsberg

 Eduard Karel Korthals

......... wurde am 16 November 1851 in Amsterdam geboren. Seine Familie zog bald in das Landgut „‘t Klooster“ bei Schooten in der Nähe von Haarlem um.  Hier verlebte Korthals seine Kindheit.  Als junger Mann streifte er so oft es ging durch Felder und Dünen mit einem Gewehr und einen Jagdhund an der Leine.  Hier wurde er für den Rest seines Lebens geprägt. Er interessierte sich nur für die Jagd, Jagdhunde und die Kynologie.


Der Beruf seines Vaters interessierte ihn nicht.  Sein Vater hatte durch harte Arbeit im internationalen Handel und als Makler ein großes Vermögen erworben. Man nannte ihn den „Ölkönig von Amsterdam“.  Das völlige Desinteresse des jungen Korthals an den Kaufmannsaktivitäten betrübte seinen Vater sehr. Korthals-Senior übte ebenfalls ein Hobby aus.  Er züchtete Kühe und schuf hier konsistent vererbende Rassen.  Eine der von Korthals-Senior gezüchteten Rassen ist z. B. die Rasse der Lakenfelders.  Im Unterschied zu seinem Sohn achtete Vater Korthals streng auf ökonomische Gesichtpunkte bei seinen Zuchtbemühungen.


So konnte er auch durch diese Aktivität relativ viel Geld verdienen, während das Hobby seines Sohnes, Jagdhunde zu züchten, immense Mittel verschlang. So entstand zwischen Vater und Sohn ein immer gespannteres Verhältnis. Vater Korthals nahm es seinem Sohn sehr übel, dass er nicht bereit war, in seinem Familienbetrieb zu arbeiten.  Er machte seinem Sohn zum Vorwurf, dass er jahrelang von ihm erwartete, ihn mit finanziellen Mitteln zu unterstützen, ohne sich selbst um seinen Lebensunterhalt zu kümmern.  Er lehnte es auch ab, dass sein Sohn sich stets in Kreisen wohlhabender Leute aufhielt. Aber zu jener Zeit war es nur adeligen Familien und Großgrundbesitzern möglich, die finanziellen Voraussetzungen für die Jagd und für die Zucht von Jagdhunden aufzubringen.  Sie verfügten nicht nur über ausreichende Jagdmöglichkeiten, sie hatten auch genug Muße um sich für derartig brotlose Künste wie die Hundezucht zu interessieren.  Normalbürgern fehlten in der Regel die Geldmittel, um ihre kynologischen Vorstellungen zu verwirklichen.  Es kam Karel Korthals daher sehr gelegen, als er 1877 von Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels die Gelegenheit bekam, in das prinzliche Schloss Braunfels an der Lahn umzuziehen, wo ihm eine umfangreiche Zwingeranlage zur Verfügung gestellt wurde.

 
Von seinem Vater bekam Korthals zu dieser Zeit eine Unterstützung von 1200 Gulden pro Jahr.  Ein wahrhaft königliches Salär, wenn man bedenkt, dass ein Hofverwalter in dieser Zeit etwa 600 Gulden pro Jahr verdiente. Wegen der ständigen Geldnot seines Sohnes zahlte der Vater schließlich 2589,80 Gulden pro Jahr, was ihn schließlich bewog, dem Sohn seine Unterstützung zu versagen.  Trotz dieser ständigen Auseinandersetzungen muss man jedoch aufgrund seiner Aufzeichnungen davon ausgehen, dass Korthals seinen Vater sehr geachtet hat.  Korthals war ein Mann vom Lande, ein Bürosessel war ihm ein Greuel.  Er war sein ganzes Leben lang nur an der Jagd, an den Jagdhunden und an der Kynologie interessiert. Man könnte meinen, es handele sich um einen einseitigen Menschen. Aber diese Einseitigkeit ging einher mit einer derartigen Begabtheit, die ihn berühmt machen sollte.

 

Korthals war eine starke Persönlichkeit mit einem ausgeprägtem Willen, großes Durchsetzungsvermögen und die enorme Willenskraft zeichneten ihn aus.  Tagsüber arbeitete er mit seinen Hunden im Feld, die Abendstunden verbrachte er in seiner Schreibstube bei der Erstellung seines Stammbuches und seiner Korrespondenz.  Er war bereit, große Opfer zum Erreichen seines Zieles, das er sich gesetzt hatte, zu bringen.  Die Probleme, denen er sich damals ausgesetzt sah, waren persönlicher, finanzieller und kynologischer Art.  Bereits in seiner Kindheit hatte Korthals zu seinem Vater ein gestörtes Verhältnis, worüber er sich zeitlebens gegrämt hat.  Es hat ihn aber nicht davon abgehalten, sein Lebenswerk zu realisieren.  Er war offensichtlich genauso stur wie sein Vater, es ist nicht unwahrscheinlich, daß er ganz ähnliche Charakterzüge wie sein Vater aufwies.  Sie unterschieden sich jedoch in einer wichtigen Eigenschaft: Der Vater war in erster Linie Kaufmann, in zweiter Linie Züchter und in keiner Weise Jäger.  Sein Sohn war vor allem Jäger und Züchter aber kein Kaufmann.  Wenn man jedoch sieht, wie Korthals es immer wieder schaffte, durch Vergabe stiller Teilhaberschaften und den Verkauf von Hunden, das nötige Kapital zu beschaffen, um seine finanziellen Probleme einigermaßen zu lösen, so muss er doch einiges vom Kaufmannstalent seines Vaters geerbt haben.  Trotzdem verfügte er niemals über große Geldbeträge.

 


Korthals blieb auch bei Fehlschlägen bei seinen Zuchtbemühungen. Es gab Zeiten, da starben plötzlich viele Welpen und erwachsene Hunde an Krankheiten, die damals weder therapeutisch noch prophylaktisch zu behandeln waren.  Im Anfang des Jahres 1882 nahm er von Freunden aus Berlin einen Teckel als Geschenk mit.  Dieser Dackel befand sich jedoch in der Inkubationszeit und infizierte die Hunde seines Zwingers.
In der Folge starben 16 junge Hunde, wahrscheinlich an Staupe. Darunter waren auch einige Pointer, die vier bis fünf Monate alt waren. Dieses war ein Kapitalverlust von etwa 800 Goldmark.  An seinen Freund Leembruggen schrieb er: „Das ist der Todesstoß für mein Portemonnaie. Ich befinde mich an der Grenze zum Bankrott, aber ich bin nicht bereit, meine Hunde zu verkaufen. Diese Rasse wird in einigen Jahren von Jedermann begehrt sein.“

 

Er hatte auch Gegner in der offiziellen deutschen kynologischen Welt.  Man wollte dort die Griffons nicht als separate Rasse anerkennen, was auf Ausstellungen zu großen Problemen führte.  Darüberhinaus löste der französische Name „Griffon“ im national denkenden Deutschland große Resentiments aus.  Hatte doch in den Jahren 1870-1871 der deutsch-französische Krieg stattgefunden, der von den Staaten des Deutschen Reiches gewonnen wurde.  Hierdurch begann mehr und mehr ein militaristisch-nationales Gefühl in Deutschland um sich zu greifen. Der internationale Charakter des Griffon-Clubs stieß demgemäß auf starkes Misstrauen.  Korthals musste sich Kraft seiner Person gegen derartige Tendenzen ständig mit Wort und Schrift wehren.  Trotz seines eckigen und geradlinigen Charakters galt er als beliebter Mensch.  Überall, wo er mit anderen Menschen mehr als oberflächlich in Berührung kam, entstanden Freundschaften, viele davon wurden Freundschaften fürs Leben.

 

Er war ein fröhlicher und aufgeweckter Mensch.  Er war der geborene Erzähler, sowohl von spannenden Geschichten, als auch von lustigen Anekdoten.  Besonders seine Jagdgeschichten konnten die Zuhörer fesseln. Nur über seine eigene Lebensgeschichte redete er nie.  In Diskussionen war er durchaus ein unbequemer Gesprächspartner, blieb aber immer fair und sagte ohne Umwege präzise seine Meinung.  Dabei nahm er weder auf Freund noch Feind Rücksicht.  Sein Haus in Biebesheim war Treffpunkt vieler Freunde, vor allem Jagdhundeliebhaber und Griffoniers waren bei ihm zu Gast.  Sein Zwinger „Ipenwoud“ war international bekannt und berühmt.  Er lebte mit seiner Haushälterin, die er „Fräulein“ nannte und die für alle Gäste bereitwillig sorgte.  In seinem letzten Lebensjahr, schon von der Krankheit gezeichnet, heiratete er sie.  Korthals hinterließ ihr ein nicht unerhebliches Vermögen; denn ein Jahr vor seinem eigenen Tode starb sein Vater und hinterließ ihm ein riesiges Vermögen.

 

Korthals war international orientiert.  Er beherrschte die deutsche Sprache genauso sicher wie die französische und die englische Sprache und konnte daher in diesen Sprachen wie in seiner Muttersprache publizieren. Das Buch von Laverack über seine Setter hat er ohne Zweifel gekannt, ebenso waren ihm die englischen Methoden der Abrichtung bekannt. Als Kynologe war Korthals ein Naturtalent.  Alles was mit der Zucht von Hunden zu tun hatte, musste er sich selber ausdenken und in Erfahrung bringen. In jenen Jahren gab es keine schriftlich fixierte Kynologie und kein organisiertes Jagdhundewesen.  Von den Mendel`schen Gesetzen hatte er noch nie gehört.  Diese wurden erst etwa um die Jahrhundertwende bei den Züchtern zum Allgemeingut.  Auf dem europäischen Festland gab es zu jener Zeit kaum Ansätze systematisch zu züchten.  Im Gegensatz dazu, gab es in England bereits einige Jagdhundefreunde, die sich wie Korthals einer zielgerichteten Zuchtmethode verschrieben hatten. Diese Leute besuchten auch Ausstellungen, die etwa seit 1870 überall in Europa organisiert wurden.  Sie kamen dort hin, um ihre eigenen Zuchtprodukte beurteilen zu lassen und um ihre Kenntnisse zu vervollständigen. So lernte Korthals, der diese Ausstellungen selber beschickte, viele andere Hundeliebhaber und Kynologen der ersten Stunde kennen. Er traf Bontant, Boulet und Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels.  Mit letzterem sollte er für den Rest seines Lebens befreundet bleiben und ohne dessen nicht nachlassende Unterstützung wäre es ihm nicht möglich gewesen, seine Ziele zu erreichen.

 

Korthals machte in Braunfels und in Biebesheim umfangreiche Erfahrungen durch den Kontakt mit Prinz Albrecht. In Braunfels kam er im Alter von 29 Jahren in Berührung mit vielen Jagdhundeliebhabern und Jägern.  Er züchtete in dieser Zeit Pointer und Setter für den Prinzen, Griffons für sein Lebenswerk und schließlich nur zum Spaß Hunde, die in Deutschland „Seidenspitze“ genannt wurden.  Er wusste, was er dem Prinzen zu verdanken hatte.  Daher widmete er sein erstes Stammbuch dem Prinzen zu Solms.  Korthals war nicht nur ein erfolgreicher Züchter, sondern auch ein glänzender Organisateur. Dieses bewies er durch die Gründung von Jagdvereinigungen in Holland und in Deutschland.  Er wusste ganz genau, wie wichtig es war, die Liebhaber dieser Rasse in einer Vereinigung zusammenzubringen, wollte man eine Jagdhundrasse erhalten und nach außen hin bekannt werden lassen.

 

Am 29. Juli 1888 wurde in Mainz durch ihn und einige Mitstreiter der Griffon-Club gegründet.  Dieses wurde urkundlich veröffentlicht.  Die Urkunde wurde unterschrieben von Korthals, Völsing und Winkler. Dieser Club hatte eine Reihe von Besonderheiten, die in diesen Tagen neu waren.  Es war der erste Club, der sich speziell nur um eine Hunderasse kümmerte.  Es war kein deutscher, sondern ein internationaler europäischer Club.  Diese wichtige Neuheit brachte es mit sich, dass der Griffon-Club ein eigenes Griffon-Stammbuch entwarf, das GSB. Dieses war bereits eine Idee von Korthals.  In dieses Stammbuch wurden nur reinblütige Griffons aufgenommen.  Damit war die Abstammung aller Vollblut-Griffons festgehalten und nachvollziehbar. Für die Aufrechterhaltung der Rasse war dies für den kritischen Züchter ein wichtiges Instrument zur Planung bestimmter Eigenschaften. Vollblut-Griffons waren Hunde, die nachweislich von den sieben Stammhunden, mit denen Korthals begonnen hatte, abstammten. Dieses Hundestammbuch fungierte damit zum Cluborgan des Europäischen Clubs.

 

Korthals starb am 4. Juli 1896 in Biebesheim, 44 Jahre alt, an Kehlkopfkrebs. Nach seinem Tod erschienen von allen Seiten Nachrufe, die Beweise sind, für den außerordentlichen Ruf, den sich Korthals in der internationalen kynologischen Welt erworben hatte