Korthals Griffon vom Dorsberg

 Ursprünge der Zucht:

 

Rauhhaarige und stockhaarige Hunde mit stark ausgeprägten Bärten gab es schon seit einigen hundert Jahren.  Überall in Europa wurden sie gezüchtet, vornehmlich als Jagdhunde für verschiedene Jagdarten und verschiedene geografische Gegebenheiten.  Manche wurden für die Hochwildjagd gebraucht, manche für die Jagd auf Hühner oder auf Fasanen, andere wieder für die Entenjagd und für die Jagd auf Hase und Kaninchen.  Es wurden verschiedenste Anforderungen an diese Hunde gestellt, abhängig, ob sie im Gebirge, im Feld, im Wald, im Moorgebiet oder bei Wasserjagden eingesetzt wurden.  So entstanden überall in Europa im Laufe der Zeit verschiedene Sorten rauhaariger Jagdhunde, mit verschiedenen Eigenschaften, verschiedenen Körpermerkmalen und Behaarungen.  Sie waren bekannt unter verschiedenen Namen wie „Hessischer Raubart“, „Polnischer Wasserhund“, „Ungarischer Wasserhund“, „Russische Pointer“, „Barbets“, „Spinone“ und „Griffons“.  Der älteste bekannte Vertreter dieser Hunde ist offensichtlich der heute als „Böhmisch Rauhbart“ bezeichnete griffonartige Hund, der vor allem in Tschechien, der Slowakei, aber auch in den Vereinigten Staaten gezüchtet wird.

 

Im Archiv der Burg Karlstein exsistiert ein Brief des Lehrers Wilhelm Zajics, der im 13. Jahrhundert am damaligen Hofe zu Prag den heranwachsenden, späteren deutschen Kaiser Karl IV (1316-1378) unterichtete.  Der Brief lautet: „Im Jahre 1348 schenkte der Imperator Karl IV dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg eine Anzahl Jagdhunde, die man am Hofe Karls als „Canis bohemicus“ bezeichnete. Dieser in Tschechien als „Cesky Fousek“ bezeichnete Jagdhund ist offenbar ein, wenn nicht der Ausgangspunkt der rauhhaarigen Jagdhunde.

 


Der Name Griffon für diese besonderen Rauhbärte ist im übrigen seit alters her bekannt.  Aus alten Schriften geht hervor, dass dieser Name mindestens seit vierhundert Jahren in Frankreich gebräuchlich war.  Im vorigen Jahrhundert war der Name „Griffon“ nicht allein in Frankreich, sondern auch in Belgien, Elsass-Lothringen, Hessen und im Rheinland üblich. In Norddeutschland und den Niederlanden war dieser Name eher nicht gebräuchlich. Hier wurde für barbet- und griffonähnliche Jagdhunde der Ausdruck „Rauhbärte“ oder „Langbärte“ verwendet.  Alle diese Namen wurden nicht für eine bestimmte Rasse verwendet, sondern beschrieben praktisch nur die Äußerlichkeiten von für die Jagd gebräuchlichen Hunden, die zufällig regional entstanden waren.  In früheren Zeiten züchtete man nicht aufgrund bestimmter Rassemerkmale.  Man züchtete ausschließlich für die Brauchbarkeit, indem man Hunde aus der Umgebung nahm, die sich eben bei der Jagd besonders bewährt hatten.  Um das Äußerliche und um andere Eigenschaften kümmerte man sich wenig.  Es war nicht bekannt, systematisch und durchdacht zu züchten, um auch in der Nachkommenschaft entsprechende beschriebene Charaktereigenschaften und Äußerlichkeiten zu bekommen.

 

Im vorigen Jahrhundert änderte sich diese Betrachtungsweise langsam. Erst in England und danach in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auch auf dem Kontinent begann man bestimmte Typen zu beschreiben und versuchte sie als Rasse zu etablieren.  In England war das berühmteste Vorbild Edward Laverack (1798-1877) mit seinen englischen Settern.  Er widmete sein gesamtes Leben der Jagd und dem Züchten von konsistent vererbenden Settern.  Es gelang ihm, über fünf Generationen äußerlich fast gleiche Hunde mit gleichen Charaktermerkmalen aus einem Ursprungselternpaar zu züchten. Er beschrieb seine Erfahrungen in dem berühmten Buch „Der Setter“, das im Jahre 1872 erschien.  Er publizierte auch die Stammbäume seiner Hunde in diesem Buch.  In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts waren auch auf dem Kontinent Jagdhundliebhaber soweit, konsequent auf konsistent vererbende Jagdhundrassen zu züchten.  Die bekanntesten waren Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels, Kleemann, Hegewald, Bontant, Boulet und Korthals - Alles Namen, die auch heute noch jedem kynologisch interessiertem Jäger bekannt sind.  Es waren Jäger und Jagdhundeliebhaber für die das Züchten von Jagdhunden eine Passion war und deren Ideen auch heute noch unsere Zuchten beeinflussen.

 

Es waren alles Menschen mit viel Geld und vielen Jagdmöglichkeiten.  In dieser Zeit gab es keine Hundevereine, keine Rassestandards, keine Prüfungen, keine Ausstellungen und auch keine Literatur.  All diese Dinge entwickelten sich in der Zeit etwa von 1870 bis 1900.  Korthals sagte über diese Periode: „Wir lernten das Züchten ausschließlich durch das Züchten“.  Diese Leute waren die Wegbereiter der modernen Kynologie.  Es muss festgestellt werden, dass die Kynologie modernster Prägung in der Welt der Jagdhunde geboren wurde.

 

Im Jahre 1870, damals erst 19 Jahre alt, begann Korthals mit der Auslese des rauhhaarigen Griffons.  Er setzte sich zum Ziel, die körperlichen und wesensmäßigen Eigenschaften einiger seiner Hunde zu festigen. Bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1896 im Alter von nur 44 Jahren verfolgte er diese Zuchtziele mit großer Zähigkeit und Können. Der „Griffon“ genannte Vorstehhund müsste eigentlich präziser als „Korthals-Griffon“ bezeichnet werden.  Er wurde durch den Holländer Korthals in zwölfjähriger, intensiver Zucht aus acht sogenannten Patriarchen durch strenge Selektion herausgezüchtet und wird seit 1888, dem Jahr der Gründung des Griffon-Clubs in Reinzucht weitergezüchtet.  Da Korthals in den Poldern von Amsterdam geboren wurde und dort auch zu jagen begann, war es für ihn zeitlebens von großer Bedeutung, Hunde mit großer Wasserpassion zu führen und zu züchten.  Wegen ihrer Intelligenz, Robustheit und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Temperaturunterschieden konnten die von Korthals gezüchteten Griffons zu idealen Gehilfen des Jägers werden. Sie waren widerstandfähig, hart und entwickelten sich zu dem Vorstehhund der Jagdpraxis in jedem Gelände und bei allen klimatischen Bedingungen.

 

(mit freundlicher Genehmigung durch Hr. Dr. med. vet. Ulrich Loss, Arnsberg; copyright by Hr. Dr. U. Loss)